Gemini, die Krypto-Exchange der Brüder Cameron und Tyler Winklevoss, gerät nach dem starken Einbruch am Kryptomarkt massiv unter Druck. Laut Bloomberg streicht das Unternehmen bis zu 25% seiner Stellen, zieht sich aus mehreren internationalen Märkten zurück und verliert seit dem Börsengang über 80% seines Aktienwerts. Gleichzeitig sucht Gemini nach einer Neuausrichtung – mit stärkerem Fokus auf Custody-Dienstleistungen und Prediction Markets.
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Tiefe Einschnitte nach Bitcoin-Kursrückgang
Die Probleme verschärfen sich, nachdem Bitcoin um mehr als 40% fällt und damit die Hausse beendet, auf der Gemini seine Wachstumspläne aufgebaut hatte. Die Aktie GEMI verliert über 80% gegenüber ihrem Höchststand von 45,89 US-Dollar kurz nach dem Börsengang. Die Marktkapitalisierung sinkt laut Bloomberg von fast 4 Milliarden US-Dollar auf unter 700 Millionen US-Dollar.
Anfang des Monats kündigt Gemini an, bis zu ein Viertel der Belegschaft zu entlassen. Kurz darauf verlassen COO, CFO und CLO an einem einzigen Tag das Unternehmen. Zusätzlich zu den bereits angekündigten Kürzungen fallen weitere Stellen in den USA weg. Gleichzeitig stellt Gemini seine Aktivitäten im Vereinigten Königreich, in der Europäischen Union und in Australien ein – Märkte, die in den ersten neun Monaten 2025 rund 15% des Umsatzes ausmachen.
Kosten steigen schneller als der Umsatz
Die Finanzkennzahlen verdeutlichen das Ausmaß der Herausforderung. Die Gesamtkosten könnten 2025 auf bis zu 530 Millionen US-Dollar steigen, während der Nettoumsatz maximal 175 Millionen US-Dollar erreicht. Das entspricht einem Kostenanstieg von rund 70% bei lediglich 17% Umsatzwachstum. Trotz eines Zuwachses von 17% bei den monatlich aktiven Nutzern auf etwa 600.000 bleibt die Profitabilität aus.
Beim Börsengang nimmt Gemini noch 425 Millionen US-Dollar ein, was kurzfristig Spielraum verschafft. Bleibt das aktuelle Ausgabenniveau bestehen, stellen Investoren jedoch die Nachhaltigkeit des Geschäftsmodells infrage. Analysten weisen darauf hin, dass die Kapitalaufnahme als börsennotiertes Unternehmen komplexer ist und bestehende Aktionäre weiter verwässern könnte.
Starke Fokussierung auf Prediction Markets
Die Winklevoss-Brüder richten das Unternehmen strategisch neu aus. Im Dezember startet Gemini nach Genehmigung durch die Commodity Futures Trading Commission eine Plattform für Prediction Markets. Laut Unternehmen verarbeitet das neue Angebot inzwischen über 24 Millionen US-Dollar Handelsvolumen von mehr als 10.000 Nutzern.
Der Wettbewerb ist jedoch intensiv: Anbieter wie Kalshi, Polymarket, Coinbase und Robinhood drängen ebenfalls in diesen Markt. Parallel setzt Gemini weiterhin auf Custody-Dienstleistungen als potenziell stabilere Einnahmequelle.
Während Gemini einst als Pionier unter den US-Krypto-Exchanges galt, steht das Unternehmen nun vor einer entscheidenden Restrukturierung. Ob die strategische Neuausrichtung schnell genug Wirkung zeigt, um das Vertrauen der Investoren zurückzugewinnen, bleibt offen.
