Die Europäische Zentralbank lehnt Pläne ab, die Regeln für Euro-Stablecoins zu lockern. Laut Reuters befürchtet die EZB, dass ein größerer Stablecoin-Markt in Europa Banken schwächen und die effektive Umsetzung der Zinspolitik erschweren könnte.
Die Diskussion entsteht während Gesprächen zwischen europäischen Finanzministern und Zentralbankern in Zypern. Dabei liegt ein Vorschlag der Denkfabrik Bruegel auf dem Tisch, die Regulierung rund um Euro-Stablecoins zu lockern, damit Europa besser mit US-Dollar-Stablecoins konkurrieren kann.
EZB befürchtet Druck auf europäische Banken
Laut Reuters machen sich EZB-Präsidentin Christine Lagarde und andere Zentralbanker Sorgen über die Folgen für das europäische Bankensystem.
Wenn Nutzer Stablecoins kaufen, wird Geld von traditionellen Bankkonten zum Herausgeber des Tokens verschoben. Dadurch verlieren Banken einen Teil ihrer stabilen Finanzierungsbasis. Politiker und Aufsichtsbehörden befürchten, dass dies in großem Umfang zu weniger Kreditvergabe und höheren Finanzierungskosten für Banken führen könnte.
Auch die Idee, Stablecoin-Unternehmen Zugang zu Finanzierungen der EZB zu gewähren, stößt auf starken Widerstand. Einige Zentralbanker sind der Ansicht, dass solche Unterstützung ausschließlich regulierten Banken vorbehalten bleiben sollte.
Europa droht hinter den Vereinigten Staaten zurückzufallen
Die Brüsseler Denkfabrik Bruegel warnt hingegen davor, dass zu strenge europäische Regeln dazu führen könnten, dass Stablecoin-Aktivitäten auf ausländische Märkte verlagert werden. Dies würde laut den Forschern zu einer stärkeren „digitalen Dollarisierung“ führen, bei der Dollar-Stablecoins weltweit dominant bleiben.
Die europäische MiCA-Regulierung verpflichtet Stablecoin-Emittenten seit 2024 dazu, einen großen Teil ihrer Reserven in Bankeinlagen und liquiden Vermögenswerten zu halten. In den Vereinigten Staaten gelten inzwischen lockerere Regeln im Rahmen des GENIUS Acts.
Diese US-Gesetzgebung fördert gerade das Wachstum regulierter Dollar-Stablecoins, um die internationale Position des Dollars weiter zu stärken.
Euro-Stablecoins bleiben vorerst klein
Derzeit machen Euro-Stablecoins lediglich rund 0,3 % des gesamten weltweiten Stablecoin-Marktes aus. Circles EURC gilt momentan als der größte Euro-Stablecoin, liegt weltweit jedoch nur etwa auf Platz zwanzig.
Dennoch wächst das Interesse in Europa langsam. Ein Konsortium aus 37 europäischen Banken aus 15 Ländern arbeitet über das Qivalis-Projekt an einem neuen Euro-Stablecoin, der später in diesem Jahr eingeführt werden soll.
Die Diskussion rund um Stablecoins kommt zudem zu einem sensiblen Zeitpunkt für Europa. Die EZB arbeitet unterdessen weiter an der Entwicklung eines digitalen Euro, der laut aktueller Planung im Jahr 2029 eingeführt werden soll.
Kritiker innerhalb des Bankensektors befürchten jedoch, dass auch ein digitaler Euro erneut Geld aus traditionellen Bankkonten abziehen könnte. Kürzlich wurde zudem bekannt, dass die Bank of England im kommenden Monat Stablecoin-Regeln vorstellen wird.
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