Der Technologiesektor baut 2026 so stark Personal ab wie nie zuvor. In weniger als zwei Monaten verlieren bereits mehr als 54.000 Mitarbeitende ihren Job – durchschnittlich rund 1.060 Entlassungen pro Tag. Gleichzeitig steigen die Aktienkurse der Unternehmen, die Stellen abbauen, deutlich.
Block legt nach der Ankündigung um 25 % zu, Meta gewinnt 20 % und Wayfair steigt um 18 %. Die Botschaft der Wall Street ist schmerzhaft klar: weniger Personal bedeutet höhere Margen – und das belohnt die Börse.
Massenentlassungen dominieren die Tech-Landschaft
Die Grafik von Trueup.io zeigt, wie sich die Entlassungswellen durch den Technologiesektor bewegen. Juli 2025 sticht mit 46.591 Entlassungen hervor, größtenteils bei Intel und Tata Consultancy Services. Im November folgen Verizon, HP und Synopsys mit zusammen fast 29.000 Stellen. Der Januar 2026 bringt erneut einen Höhepunkt mit 27.223 Entlassungen, angeführt von Amazon und ASML. Der Februar liegt bereits bei 22.095 – mit noch verbleibenden Tagen im Monat.
Allein die Liste für 2026 ist bereits umfangreich. Amazon führt mit 16.000 Entlassungen, gefolgt von Aumovio mit 4.000 und Block ebenfalls mit 4.000. Dahinter folgen ASML (1.700), Meta (1.500) und Salesforce (1.000). Selbst kleinere Namen wie Peloton (287), Gemini (200) und Netflix (50) führen Umstrukturierungen durch. Kein Bereich der Tech-Branche bleibt verschont.
Die Börse belohnt, wer kürzt
Das zynische Muster ist unübersehbar: Unternehmen, die massenhaft entlassen, sehen ihre Aktienkurse steigen. Block gewinnt 25 % nach dem Abbau von 4.000 Stellen. Meta steigt um 20 % nach 1.500 Entlassungen. Wayfair, Pinterest, Spotify und Unity folgen mit zweistelligen Kursgewinnen. Selbst Giganten wie Microsoft (+10 %), Amazon (+12 %) und Alphabet (+8 %) werden für den Personalabbau belohnt.
Der Grund liegt im Umsatz pro Mitarbeitendem – eine Kennzahl, die zunehmend an Bedeutung gewinnt. NVIDIA führt diese Liste mit 5,20 Millionen US-Dollar Umsatz pro Beschäftigtem an. AppLovin folgt mit 4,20 Millionen und Netflix mit 3,10 Millionen US-Dollar. Am unteren Ende stehen Unternehmen wie Intel mit 590.000 US-Dollar und Salesforce mit 500.000 US-Dollar pro Mitarbeitendem. Die Firmen, die am stärksten kürzen, befinden sich häufig in diesen unteren Regionen und versuchen, ihre Kennzahlen zu verbessern. Künstliche Intelligenz spielt dabei eine immer größere Rolle, wie auch im Artikel über Krypto unter Druck durch KI und Deglobalisierung laut Wintermute beschrieben wird: Aufgaben, die zuvor von Teams erledigt wurden, werden zunehmend automatisiert.
KI als Beschleuniger der Entlassungswelle
Die aktuelle Entlassungsrunde unterscheidet sich grundlegend von früheren Zyklen. Während Unternehmen 2022 und 2023 vor allem Überkapazitäten aus der Pandemiezeit korrigierten, geht es nun um strukturelle Veränderungen. Künstliche Intelligenz macht ganze Berufsgruppen überflüssig – von Kundenservice über Softwaretesting bis hin zu Mediabuchungen und Sicherheitsprüfungen. Unternehmen erkennen, dass KI nicht nur kostengünstiger ist, sondern in manchen Fällen auch bessere Ergebnisse liefert als menschliche Teams.
Für den Aktienmarkt ist dies ein Fest. Weniger Personal bei gleichbleibendem oder steigendem Umsatz bedeutet höhere Margen, höheren Gewinn pro Aktie und höhere Bewertungen. Für die mehr als 54.000 Menschen, die 2026 bereits ihren Arbeitsplatz verloren haben, stellt sich die Realität jedoch völlig anders dar. Der Technologiesektor, der einst für Arbeitsplatzsicherheit und Wachstum stand, wandelt sich zu einer Branche, in der Effizienz über allem steht – und in der nicht mehr die Frage lautet, ob KI Arbeitsplätze ersetzt, sondern welche Arbeitsplätze überhaupt noch bestehen bleiben.
