Die US-Börsenaufsicht SEC gibt Broker-Dealern mehr Spielraum, Stablecoins in ihrer Bilanz zu führen. In neuen Leitlinien teilt der Stab der Behörde mit, dass er keine Einwände gegen einen sogenannten 2%-Haircut auf Payment-Stablecoins erhebt. Das bedeutet, dass diese digitalen Dollar künftig weitgehend auf die Kapitalanforderungen von Finanzinstituten angerechnet werden dürfen. Dieser Schritt könnte die Adoption von Stablecoins an der Wall Street deutlich beschleunigen.
Von 100% auf 2% Haircut
Bisher herrschte Unsicherheit darüber, wie Broker-Dealer Stablecoins im Rahmen der sogenannten Net Capital Rule – offiziell Exchange Act Rule 15c3-1 – behandeln sollten. Einige Marktteilnehmer zogen aus Vorsicht einen Haircut von 100% in Betracht. In diesem Fall würde eine Stablecoin-Position überhaupt nicht auf das erforderliche Kernkapital angerechnet.
Der SEC-Stab stellt nun klar, dass er keinen Einwand erhebt, wenn Broker-Dealer lediglich einen Haircut von 2% auf Payment-Stablecoins anwenden. Konkret bedeutet das, dass eine Position von 100 Millionen US-Dollar in Stablecoins mit 98 Millionen US-Dollar in die Berechnung des Nettokapitals einfließen darf. Die Erläuterung wurde in einer offiziellen FAQ der Division of Trading and Markets veröffentlicht: SEC.
Gleichstellung mit Geldmarktfonds
Kommissarin Hester Peirce begrüßt die Klarstellung. In einer Stellungnahme erklärt sie, dass ein 100%-Haircut angesichts der zugrunde liegenden Reserven von Payment-Stablecoins – die in der Regel aus US-Dollar und kurzfristigen US-Staatsanleihen bestehen – unverhältnismäßig streng wäre. Ihre vollständige Erklärung ist hier abrufbar: SEC-Erklärung Peirce.
Ein Haircut von 2% entspricht der Behandlung von Geldmarktfonds, die ebenfalls in vergleichsweise sichere und liquide Vermögenswerte investieren. Durch diese Gleichstellung senkt die SEC die Hürde für regulierte Marktteilnehmer, sich stärker in tokenisierten Wertpapieren und anderen digitalen Vermögenswerten zu engagieren.
Auswirkungen auf den Stablecoin-Markt
Der Stablecoin-Markt weist derzeit eine gesamte Marktkapitalisierung von rund 295 Milliarden US-Dollar auf. Das liegt leicht unter dem Höchststand von über 300 Milliarden US-Dollar im Dezember 2025. Trotz dieses moderaten Rückgangs wächst der Markt seit 2023 kontinuierlich.
Die neue Leitlinie folgt auf die Einführung des sogenannten GENIUS-Gesetzes, das Präsident Donald Trump im Juli 2025 unterzeichnet hat. Dieses Gesetz schafft einen bundesweiten Rahmen für regulierte Stablecoin-Emittenten in den Vereinigten Staaten.
Mit dem 2%-Haircut erleichtert die SEC Broker-Dealern das Halten von Stablecoins, ohne ihre Kapitalquoten erheblich zu belasten. Das könnte die Rolle digitaler Dollar im traditionellen Finanzsystem weiter stärken – insbesondere vor dem Hintergrund, dass immer mehr Institute mit blockchainbasierter Infrastruktur experimentieren.
