Der chinesische Energieriese China National Petroleum Corporation (CNPC) prüft ernsthaft den Einsatz von Stablecoins für internationale Zahlungen. Bei der Präsentation der Halbjahreszahlen gab das Unternehmen bekannt, eine Machbarkeitsstudie zu starten, um zu untersuchen, wie Stablecoins für grenzüberschreitenden Handel und Transaktionen genutzt werden können.
Das Timing ist kein Zufall. Die Hong Kong Monetary Authority (HKMA) führt gerade einen neuen regulatorischen Rahmen für Stablecoins ein. Ab dem 1. August 2025 sind Unternehmen, die Stablecoins in Hongkong ausgeben oder vertreiben möchten, verpflichtet, eine Lizenz zu beantragen. Die Anforderungen sind hoch: Ein Antragsteller muss in Hongkong registriert sein und über ein Mindestkapital von 25 Millionen HKD verfügen.
CNPC untersucht digitale Wege für den Ölhandel
Für die CNPC, einen der größten Akteure im weltweiten Energiehandel, könnte der Umstieg auf Stablecoin-basierte Zahlungen enorme Vorteile mit sich bringen. Dazu zählen Echtzeit-Abwicklungen, geringere Transaktionskosten und weniger Abhängigkeit von traditionellen Netzwerken wie SWIFT. Laut WeChat Media passt diese Initiative zu den übergeordneten strategischen Zielen des Unternehmens.
Ein interessantes Beispiel ist der Einsatz von Stablecoins in Projekten wie der U-Bahn von Shenzhen, wo die Transaktionskosten durch die Nutzung des digitalen Yuan und HKD-Stablecoins drastisch gesenkt wurden. Auch Projekte unter der Leitung der HKMA selbst zeigen, dass diese Technologie Zahlungen bis zu fünfmal schneller machen kann.
Bankensektor und Regulierung schaffen stabiles Fundament
CNPC ist nicht das erste Unternehmen, das Interesse zeigt. Große Banken in Hongkong wie Standard Chartered und HSBC arbeiten bereits an Infrastruktur für Stablecoins. Während sich HSBC auf tokenisierte Einlagenlösungen für Unternehmen konzentriert, hat Standard Chartered ein Joint Venture zur Emission eines HKD-Stablecoins gegründet. Auch digitale Banken wie die ZA Bank bieten inzwischen Verwahrdienstleistungen für Stablecoin-Reserven an.
Diese Entwicklungen ermöglichen es traditionellen Unternehmen wie der CNPC, nun mit geringerem Risiko einzusteigen. Sie profitieren von bestehenden Rechtsrahmen und technischer Unterstützung seitens des Bankensektors. Dennoch bleibt die CNPC vorsichtig: Ein Zeitplan wurde bisher nicht veröffentlicht, und es bleibt vorerst bei einer explorativen Studie.
Wenn es Hongkong gelingt, seine Position als Fintech-Hub zu behaupten und die Regulierung sich als wirksam erweist, könnte diese Initiative der CNPC den Beginn einer neuen Ära des digitalen Energiehandels markieren. Eine Welt, in der Öl mit Stablecoins bezahlt wird, scheint plötzlich deutlich näher gerückt.