Die ukrainische Regierung räumt digital auf: Der beliebte Prognosemarkt Polymarket ist dort seit Kurzem nicht mehr erreichbar. Die nationale Regulierungsbehörde für elektronische Kommunikation (NCEC) hat beschlossen, die Plattform zu blockieren, da sie angeblich ohne Lizenz glücksspielähnliche Dienste anbiete.
Laut Forbes Ukraine stützt sich die Regulierungsbehörde auf Resolution Nr. 695, in der festgelegt ist, dass Plattformen ohne gültige Glücksspiellizenz in der Ukraine nicht zugänglich sein dürfen. Die Domain von Polymarket wurde inzwischen in die offizielle Liste gesperrter Webseiten aufgenommen.
Die Sperrung ist jedoch noch nicht vollständig: Einige Nutzer können die Seite weiterhin erreichen, während andere bereits blockiert werden.
Von Vorhersagen zu Kontroversen
Polymarket wurde weltweit im Jahr 2024 bekannt, als Nutzer frühzeitig den Wahlsieg von Donald Trump bei den US-Präsidentschaftswahlen vorhersagten – lange bevor offizielle Ergebnisse vorlagen. Diese Treffsicherheit brachte der Plattform große Aufmerksamkeit und einen starken Nutzerzuwachs.
Im Gegensatz zu traditionellen Wettseiten funktioniert Polymarket wie ein Marktplatz, auf dem Teilnehmer untereinander auf Ereignisse wetten. Der Wert eines Einsatzes spiegelt die Wahrscheinlichkeit eines bestimmten Ergebnisses wider – etwa „Ja“ oder „Nein“. Dabei kann es um Politik, Sport, Wirtschaft oder sogar Krieg gehen.
Gerade Letzteres sorgte 2025 für Empörung. Ukrainische Medien äußerten sich kritisch über Wetten auf militärische Ereignisse im Land, etwa über die mögliche Einnahme von Städten im Donbas. Kritiker warfen der Plattform vor, damit eine Grenze überschritten zu haben.
Hunderte Millionen in Ukraine-bezogenen Wetten
Allein im Jahr 2025 wickelte Polymarket Wetten im Wert von über $270 Millionen ab, die sich auf die Ukraine bezogen. Darüber hinaus sind noch aktive Einsätze im Wert von mehr als $140 Millionen offen. Die Plattform wuchs rasant und wurde im vergangenen Jahr mit stolzen $9 Milliarden bewertet.
Der Gründer von Polymarket, Shane Coplan, gilt inzwischen als einer der jüngsten Milliardäre der Welt. Doch dieser Status schützt ihn nicht vor behördlicher Aufmerksamkeit: Immer mehr Länder werfen einen kritischen Blick auf Plattformen, die zwischen Technologie und Glücksspielgesetzgebung und Kryptowährungsbörsen balancieren.
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